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Interview mit Reezm & En Sayne

1) Was wäre Eurer musikalischer Background?
Reezm: ich war schon als kind in die musik vernarrt. angefangen mit 60/70ger rockmusik über meine eltern, dann igendwelche 50er rock'n'roll und rhythm'n'blues geschichten, und dann als 14jähriger hip hop, als schmelztiegel verschiedenster musikstile.
En Sayne: 90iger HipHop und Indie Rock, melancholischer SingerSongwriter and PostRock (oder wie
auch immer), 60-70 Jahre Soul, Funk, psychedelischer Rock und v.a. Jazz, and i don't
like the 80ies!

2) Habt Ihr Vorbilder (Künstler / Musiker, die Euch maßgeblich geprägt haben und die in Eurer Musik "mitschwingen")
Reezm: ich könnte nun endlos namen stappeln, aber da hip hop über 20 jahre mein antriebsmotor war, bin ich mehr geprägt durch bruchstücke und soundfetzen unzähliger tracks und artists aller musiksparten. kurze momente auf obskuren platten irgendwelcher eintagsfliegen haben mich genauso beeinflusst wie ein james brown, wie the meters, wie curtis mayfield, iron butterfly usw. natürlich habe ich eine eigene soundästhetik, die beschränkt sich aber mehr auf äras denn auf artists. ich liebe hip hop zwischen 87-94, funk 68-72, soul ca 70-74, jazz 66-72, rock 68-72, disco 78-83 usw, grundlegend würde ich schon sagen, dass ich mich bei musik der späten 60er jahre am wohlsten fühle. marley marl und mark the 45 king waren aber hip hopmässig eine rieseninspiration. wie es mark the 45 king geschafft hat, seine beats schon mitte der 80er jahre so leichtfüssig federn zu lassen, ist mir heute noch ein rätsel.
En Sayne: Vorbilder sag ich dem nicht wirklich, weil ich nicht nach ihrem Bild strebe, sondern ihre Arbeit, Einstellung, Kreativität oder so schätze, konsequenterweise wird man dadurch auch beeinflusst; ich versuche einen eigenen Ansatz für das zu finden, was mich bei anderen so fasziniert. Also beispielsweise: Madlib, RJD2, RZA, Lord Finesse, Sonic Youth bzw. Thurston Moore, Jim O'Rourke, Beastie Boys, Kyuss, Tom Waits, Rita Ackermann, Jim Jarmusch, Melvins, Jacques Derrida, Sun Ra, Eliseo Subiela, Steve Albini bzw. Shellac, Catpower, PJ Harvey, Prefuse 73, Jay Dee, John Fahey, Tortoise uvm.

2, falsch numeriert...) Würden Eure Alben verfilmt werden, was für ein Film würde dabei herauskommen ?
Reezm: the creature from the black lagoon von jack arnold 1955, oder the man who wasnt there von den coen brüdern, duel at diablo, ein sehr atmoshärischer western aus
dem jahr 1967, oder aber auch alte jim jarmusch filme, speziell stranger than paradise. ich liebe filme mit tragischen helden und einem leicht bluesigen, staubigen charakter.
En Sayne: hm, vielleicht eine Neu-verfilmung von John Cassavetes Erstlingswerk "Shadows"...
ein konkretes Beispiel zu nennen, fällt mir aber echt schwer, ein irgendwie leicht
melancholischer, semi-cooler Unterhaltungsfilm mit Nachdenk-allüren und genug Ironie,
guten LaiendarstellerInnen und einem kleinen Budget....vielleicht auch sowas wie
"Buffulo 66" von Vincent Gallo...

3) Wie seid Ihr Eure Alben angegangen? Hattet Ihr eine Art Konzept im Kopf, habt Ihr euch einfach "gehen lassen" oder beides?
Reezm: kein starres konzept, mehr eine ansammlung halbfertiger tracks der letzten 2 jahre, die alle irgendwie einen ähnlichen charakter aufwiesen. die beschränkung auf
vinyl-samples ist die einzige konstante in meiner arbeit. siehe pressetext
En Sayne: hab mir eigentlich einen Überblick über mein Oeuvre verschafft und Material zusammengesucht, das meine Arbeit widerspiegelt. Einerseits, andererseits auch einfach Tracks ausgesucht, die mich noch genug fasziniert haben und die mir veröffentlichungswürdig erschienen. Ich habe auch versucht eine instrumentale Platte zu machen, keine Beat-Platte, also nicht ein Platte wie die neue Alchemist oder die Peanut Butter Breaks oder die Joey Chavez Platte, mehr in ne Richtung von Bias oder Alias - also Tracks ausgesucht, die sich nicht gerade zum Freestylen eignen und die musikalisch für sich stehen können, schon ausgelastet sind...was nicht heisst, dass ich die Peanut Breaks nicht verdammt geil finde...vielleicht war es auch noch ein bisschen eine strategische Entscheidung: eine Beat-Platte kann man machen, wenn man einen Namen hat und eine gute Vertriebsstruktur, aber vorher sollte man sich erst mal profilieren und sich einen Namen schaffen und dazu eignet sich m.E. diese Platte besser.

4) Wie geht Ihr bei den Tracks vor? Bei DJ Reezm scheint sich der Track um die Beats und Bässe zu entwickeln, während bei En Sayne Shorter der (luftige) Vibe (also mehr Sounds und Samples als strukturierende Elemente) im Vorderungd steht, oder ?
Reezm: keine bestimmte vorgehensweise. tracks entstehen ziemlich intuitiv. manchmal wird man von seiner stimmung geleitet, manchmal ist es ein loop der zündet und auf dem aufgebaut wird. manchmal sind es die drumelemente die den track wachsen lassen. ich weiss selten was mich erwartet, wenn ich mich an meinen sampler setze. siehe auch frage 5b?
En Sayne: ich lasse mich meistens von Samples oder einer Idee, wie etwas tönen könnte oder sollte, leiten, was dann nicht unbedingt ein solches Resultat zu Tage fördert. Ich habe keinen wirlichen 'standard' Prozess des Vorgehens, versuche immer mal wieder was Neues, einen Beat anders anzugehen, oder eine bestimmt Technik auszuprobieren, ich bin sicherlich kein Mosaikkünstler und lasse mich wirklich gerne von geilen Loops leiten, denn, wenn es bounct, dann macht es auch Spass...ich arbeite aber auch gern mit Schnippseln und einzelnen Sounds und versuche so ein neues Ganzes zu collagieren; ist auch Launen abhängig, wie ich arbeite und meistens arbeite ich in der Nacht, weil ich sonst keine Zeit finde...

5) Lassen eure Alben Rückschlüsse auf Eure Person zu? So Hobbypsychoanalyse mäßig, daß Reezm mehr so "bauchmäßig", ein wenig "schwerer" durchs Leben geht, während En Sayne Shorter ein bißchen "leichter" und unbeschwerter durchs Leben geht?
Reezm: ich geniesse und pflege melancholische momente. andererseits ist the traveller nur ein ausschnitt aus meinem musikalischen schaffen. genauso liebe ich es einen bouncenden dancefloor
track zu basteln oder einen soliden trockenen hip hop track. was meine stücke vielleicht auszeichnen ist der hang zur monotonie und die tranceartigen zustände, die durch sie ausgelöst werden sollen. das monotone hat etwas sehr treibendes, tribalistisches und das bluesig, schwere element unterstreicht diesen zustand noch etwas mehr.
En Sayne: ne, bin eigentlich nicht der Meinung, das mein Album 'leicht' ist, obwohl ich schon
gelegentlich vernommen haben, dass es doch eigentlich ein recht fröhliches Album sei...
nun ja, es ist halt recht divergierend und sicherlich auch nicht so melancholisch wie das von Oli; bin aber eigentlich ein melancholischer Mensch und schwelge manchmal gerne in Traurigkeit, was sich für mich eben auch sehr kreativ auswirken kann, bzw. eigentlich mein Motor ist, bin gerne schwermütig und kopflastig und ehrlich gesagt habe ich auch lange gebraucht, eine gewisse Zufriedenheit in meinem Leben erarbeitet zu haben, Depressionen sind halt auch extrem lähmend... ich denke, der gute Mittelweg ist das Ziel und so tönt auch mein Album, nicht gerade manisch, aber Kalt- und Warmwasserbad....

6) Würde man für Vergleich wie "DJ Reezm ähnlich wie DJ Krush & Dj Shadow" und "En Sayne Shorter ähnlich wie DJ Cam oder so britische Trip Hop Geschichten Anfang/ Mitte der 90er" gesteinigt werden?
Reezm: wenn du gewisse ähnlichkeiten meiner musik zu den oben genannten künstlern raushörst, muss das ja irgendwie auch berechtigt sein. dj krush hat mich aber nicht im geringsten beeinflusst, da ich seine musik zu wenig kenne. seine produktionen scheinen mir aber einiges düsterer und apokalyptischer als meine und vor allem seine neueren sachen haben einen verstärkten digitalen charakter. im vergleich dazu, sehe ich mich eher als analog brother. bei dj shadow inspiriert mich mehr seine arbeitsweise als effektiv seine musik. seine art wie er samples schichtet und stappelt ist unglaublich. wenn man nur mit fremdmaterial, sprich samples und loops, arbeitet, gerät man schnell an gewisse grenzen; melodien die man im kopf hat lassen sich nicht immer so leicht umsetzen, da das passende sample einfach nicht findet oder die tonhöhe nicht stimmt, das tempo nicht passt usw. shadow schafft es mit samples musik zu komponieren, er ist für mich fast ein klassischer songwriter. wahrscheinlich hat er das richtige rezept gefunden seine sounds zu archivieren. (sixtoo und buck 65 arbeiten ähnlich)
En Sayne: nein, Vergleiche entspringen persönlichen Assoziationsketten, können also höchstens als
beleidigend empfunden werden, wenn ein persönlich als wichtig empfundener Ansatz schwerwiedend
missachtet wird, was aber auch passieren kann, ist ja meistens nicht böse gemeint und wenn, dann ist es ja nicht diskussionswürdig...Vergleiche gehören zur Kunst und zu diesem kann ich nicht viel mehr sagen als, ja, weshalb auch nicht, kenne zwar Dj Cam nicht wirklich gut und kann deshalb auch nicht sagen, dass das zutreffen würde, aber man findet sicher Parallelen.


6) Gibt es nicht auch einen Musiker Names Wayne Shorter? Jazzer? Irgendwelche Parallelen?
En Sayne: > ;o) stand im Schatten eines Grossen, profilierte sich aber selbst, trägt einen schönen
Namen, hat wunderbare Platten gemacht, genialer Musiker, Saxophon, John Coltrane, Liebe...

7) Wie würdet Ihr Eure Musik selber beschreiben? In Erinnerung an Frage 5), was geht gar nicht ?
Reezm: eigentlich versuche ich nichts anderes als meine eigene lieblingsmusik zu kreieren und dabei geht fast alles. ein track muss aber vor allem für mich funktionieren und für niemand anderen. ich will keine kompromisse eingehen müssen um in einem gewissen musiksegment zu gefallen. musikbeschrieb siehe pressetext.
En Sayne: music for excessive record buyers and for your body and soul was geht gar nicht? Müsli mit Rosinen!

8) Tretet Ihr eigentlich Live auf? Wenn ja, in welchem Rahmen (so Kaffehaus mäßig oder in Clubs oder so Studentenpartys mit künstlerischem Beiprogramm) ?
Reezm: semi-live. wir legen halt auf, als ish-soundsystem, wo wir versuchen mit dem einbeziehen des samplers in das dj-set dem ganzen ein bisschen einen live charakter zu verleihen.

9) Produziert Ihr noch andere Musik, etwa "klassischen Hip Hop" ?
Reezm: ich mache klassischen hip hop, jedenfalls für mein verständniss, nur dass halt oft die vocals fehlen.
En Sayne: ja, hoffentlich!

10) Was habt Ihr überhaupt schon gemacht
Reezm: tracks für diverse schweizer rapper/innen wie dani göldin, big zis, rokator, tinguely, mory, mind nation...
En Sayne: spielte schlechten, improvisierten Rock in ner Band mit Freunden, habe ne 10" des Schweizer Rapper Ape Throwman produziert, lege gelegentlich nervös auf und verkaufe meine Handtücher nach dem Duschen vom Balkon aus.

11) Was würde Euch reizen, zu machen (musikalisch)? Mit wem würdet Ihr z.B. gerne zusammenarbeiten?
Reezm: j-live, weil er flexibel ist und über die verschiedensten produktionen flowen kann, percee p 'cuz he's got the classic touch, raekwon, ghostface killah und gza weil die dringend gute beats brauchen, mf doom, abdominal, buck 65, mr. lif und und und. ausserdem hätte ich gerne eine ganzes orchester zur verfügung obwohl ich damit völlig überfordert wäre.
En Sayne: Ich würde gerne einen Film vertonen, Zusammenarbeit gewünscht mit MF Doom, J-Live, Mika Nyne, Blueprint, Denizen Kane, Buck 65, Madlib, Micha Acher bzw. the Notwist, Tied & Tickle Trio, Ursula Rucker, Sixtoo (als Produzent), Aceyalone....

12) Wie kam es zur Zusammenarbeit mit OFFWHYTE? Siehst Du da Verbindungen zu amerikanischen Independ Hip Hop Geschichten wie Anticon und Mush?
Reezm: offwhyte war gerade mit seinen jungs von den galapagos 4 in europa auf tournee. bei seinem gig in zürich kam man halt ins gespräch und so kam eins zum andern. ausserdem hat sich offwhyte in zürich in eine frau verliebt und so wird er hier wohl noch des öfteren anzutreffen sein. momentan ist er gerade wieder für ein paar wochen im lande und wir haben auch schon wieder zwei tracks aufgenommen (einer produziert von en sayne shorter). labels wie anticon, mush usw. sind mir mehr von ihrer attitüde als von ihrer musik sympathisch. zum teil ist mir das ganze zu angestrengt avantgardistisch. trotzdem sind diese labels sehr wichtig, weil sie versuchen festgefahrene mechanismen im hip hop zu sprengen und sich nicht in die"wie funktioniert mein track im club" schiene schieben lassen. es wird einfach produziert aus liebe zur musik und nicht nach irgendwelchen hitmustern.

13) Was für Musik hört Ihr selber?
Reezm: Von den neuen sachen ist das so zeug wie: express rising "jeux de ficelles", die meaty ogre lp sowie seine 7" geschichten auf heardrum, gewisse rjd2 produktionen vor allem die soul position lp, dirty south instrumentals, non prophets lp, tru thought sachen vor allem die tm juke lp "maps of the wilderness, money studies releases, jel instrumentals, jaylib lp, lex produktionen, die omid lp.... ausserdem hat mir markus ein paar elektronische sachen unter die nase bzw. das ohr gerieben. muss mich da auch mal ein bisschen reinknien.
En Sayne: siehe 1) + 2)
14) Wenn Ihr mögt, bitte eine Top 10 mitschicken. Eventuell machen wir dafür eine Extraseite ...
Reezm:
dj frane/ electric garden lp,
omid feat. spoon/ i'm just a bill,
ying yang twins/ salt shaker instr.
jaylib / strip club
tm juke / just for a day
blockhead / insomniac olympics ep
soldier of fortune / grey market goods
non prophets / hope lp
express rising / jeux de ficelles lp & 7"


En Sayne: in keiner speziellen Reihenfolge:

Tied & Tickle Trio "observing systems"
Soul Position "8 million stories"
Kid Koala "some of my best friends are djs"
Cody Chesnutt "headphone masterpiece"
King Geedorah "take me to your leader"
Villain Accelerate "maid of gold"
Bohren und der Club of Gore "black earth"
Dreas "theme music for transformed humans"
Express Rising "dito"
P-Love "fob lights" 7"

Interview geführt von Jan Wölffel
 
   
  15.03.2004 : : BlackMusicScene, Issue 3/4